Kollwitzstrasse 52 | Berlin-Prenzlauer Berg
Informationen zur Geschichte des Hauses Kollwitzstraße 52 in Berlin, Prenzlauer Berg
Daten zur Chronologie des Hauses
1872 - 1942 | 1943 - 1990 | seit 1990
18.11.1990 Die „Berliner Grundstücksauktionen“ des Auktionators Hans-Peter Plettner wirbt für eine Versteigerung u.a. des Hauses Kollwitzstraße 52 (Berlin) in der Berliner Morgenpost.(1)
10.12.1990 Die Berliner Mietergemeinschaft ruft zu einer Protestaktion gegen die Versteigerung vor dem „Palais des Kulturbundes“, Otto-Nuschke- Straße / Ecke Mauerstraße auf.(2)
11.12.1990 Die Versteigerung wird durch Protestaktionen unterbrochen, mit Hilfe von Polizeischutz fortgeführt. Als erstes Haus aus der ehemaligen DDR wird das Haus Kollwitzstraße 52 „von den Hamburger Malern“ (Presse) Nicolaus Schmidt und Christoph Radke nach Absprache mit den Bewohnern des Hauses ersteigert.(3)  
     15.12.1990 Die Berliner "tageszeitung" schreibt: "Die Auktion war ein Flop. (...) ...die Abteilung für Finanzen der Magistratsverwaltung ... rechnet mit einer Rückabwicklung." Das Haus sei 1937 "arisiert" worden. Die TAZ zitiert einen Mitarbeiter der Abteilung Finanzen des (ehemaligen Ost-)Berliner Magistrats: "Ein anständiger Auktionator hätte so etwas nicht machen dürfen."
03.12.1991 Ein Jahr nach der Auktion berichtet der Berliner "Tagesspiegel" über "Ärger und Rechtsauseinandersetzungen um das erste ... in Ost-Berlin versteigerte Haus.(...) Die Versteigerung von Auktionator Hans-Peter Plettner sei ein faules Geschäft gewesen, sagen die beiden Hamburger." "Alles Unsinn" sagte dagegen laut Tagesspiegel Hans-Peter Plettner. Es fehle lediglich eine Quittung über 7500 Reichsmark, um nachzuweisen, daß der Verkauf 1937 keine "Arisierung" gewesen sei. Der Tagesspiegel stellt weiter H.P. Plettners Ausführungen wie folgt dar: "Sollte diese Quittung nicht gefunden werden und die Recherche ergeben, daß die Verkäuferin verfolgt wurde, "haben wir eben mit Zitronen gehandelt." Dann bekämen die Claims-Conference {die zwischenzeitlich von den Käufern benachrichtigt wurde und die danach einen Anspruch angemeldet hatte. - Anmerkung der Verfasser} das Grundstück und die Käufer ihr Geld zurück."
6.11.1995 Gründung des K.A.P., des Kunstvereins auf dem Prenzlauer Berg e.V. In der ersten Ausstellung "Peter Neuhaus - Kunst am Entstehungsort" werden im Januar 1996 die Skulpturen des Künstlers in seiner (ehemaligen) Wohnung im Hause gezeigt. Zu DDR-Zeiten gab es keine öffentliche Ausstellung der Arbeiten von Peter Neuhaus. Peter und Gitta Neuhaus (Balletttänzerin) wohnten seit 1980 im Hause.
30.06.1998 Das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen Mitte-Prenzlauer Berg (AROV 1) hat dem Widerspruch der Conference on Jewish Material Claims against Germany Inc. (New York) gegen den ersten Bescheid vom 11.12.1992 (Rückübertragung an die Erbengemeinschaft F. , da nicht nachzuweisen sei, daß Frau Margarita Reichardt geb. Cohen jüdischen Glaubens sei) stattgegeben und erläßt eine Rückübertragung des Grundstücks an die Claims Conference. (Quelle: Schreiben des AROV 1 von diesem Tage) {Dies erscheint angesichts eines späteren Adressbuchfunds durch die Verfasser zweifelhaft. Hiernach war Frau R.-Cohen bis ins letzte Berliner Adressbuch von 1939–1943 als Eigentümerin am Bayr. Platz ("wohnh. Lima/Peru") geführt. Dies ist ein wichtiges Indiz dafür, daß sie von den Nazis nicht als jüdische Deutsche sondern als peruanische Staatsangehörige betrachtet worden ist. - Anmerkung der Verfasser}
5.7.1999 Im Grundbuch von Prenzlauer Berg unter 9717N werden Christoph Radke und Nicolaus Schmidt (die Meistbietenden der Auktion vom 11.12.1990) als neue Eigentümer eingetragen - nach achteinhalb Jahren.
31.12.2008 Der Status als Sanierungsgebiet wird vom Berliner Senat für den Kollwitzkiez aufgehoben. Das Haus Kollwitzstraße 52, für dessen Sanierung keine Fördermittel in Anspruch genommen wurden, zahlt - unter Protest - die vom Bezirksamt geforderte "Sanierungsausgleichsabgabe" in Höhe von € 56.500, dies bei einer durchschnittlichen Miete im Haus von € 4,43 pro Quadratmeter. Ende 2008 wohnen im Haus Kollwitzstraße 52 noch 3 Mietparteien von den ursprünglich 10 aus der Zeit vor der Auktion 1990.
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(Diese Chronologie und die vertiefenden Texte werden laufend weiter ausgebaut.)
   
 

Quellenangabe: Soweit nicht anders vermerkt: Bauakte zum Haus Kollwitzstr. 52/Berlin, eingesehen im Bezirksamt Prenzlauer Berg/Berlin (Heute: „Pankow“) im Januar 1991.

(1) Berliner Morgenpost vom 18.11.1990

(2) Flugblatt der Berliner Mietergemeinschaft e.V. vom 10.12.1990

(3) Süddeutsche Zeitung/Welt/Bild/Berliner Kurier... vom 13.12.1990

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