Kollwitzstrasse 52 | Berlin-Prenzlauer Berg
Informationen zur Geschichte des Hauses Kollwitzstraße 52 in Berlin, Prenzlauer Berg
Daten zur Chronologie des Hauses
1872 - 1942 | 1943 - 1990 | seit 1990
1943 Die Luftschutzkeller im Haus sind mit denen der Nachbarhäuser verbunden, die nach dem Krieg wieder zugemauerten Durchbrüche sind noch heute zu sehen (Foto folgt).
1945 bis zum 3. Mai gibt es einzelne Kämpfe zwischen versprengten SS-Trupps und der Roten Armee im Prenzlauer Berg, obwohl am 2 . Mai General Weißling den Kapitulationsbefehl an die deutschen Truppen ausgegeben hatte. (1) Das Haus Kollwitzstraße 52 übersteht den Krieg mit nur geringen Schäden. Im Dach des nördlichen Seitenflügels hatte es einen kleinen Brandansatz gegeben, die Fensterscheiben waren zertrümmert, das Wohnzimmerfenster der Wohnung rechts im 1.OG ist als Ganzes nach innen gedrückt worden, so daß es auch heute noch nach innen zur Fassade gekippt steht. In der Nachbarschaft sind drei Häuser von Bomben getroffen worden, so dass sie abgerissen wurden und als Leergrundstücke (bis sie um das Jahr 2000 herum wieder bebaut wurden) den Charakter der Straße prägten.
nach 1945 Um die Kriegsschäden zu reparieren, werden im Grundbuch des Hauses Kreditsummen als "Aufbauhypotheken" eingetragen. Diese Praxis wird bis in die 1980er Jahre für jede Art von Reparatur beibehalten.(2)
In den ehemaligen Läden im Souterrain befinden sich Wohnungen, vermutlich, um Kriegsflüchtlinge unterzubringen (Beim Umbau 1998 finden sich hier noch Tapeten- und Farbreste aus einer Wohnnutzung.)
     1947 Die Weißenburger Straße wird in Kollwitzstraße umbenannt, um die Grafikerin Käthe Kollwitz und ihren Mann, den Arzt Karl Kollwitz zu ehren. Beide hatten in der Weißenburgerstraße 25 gewohnt. Das Haus Weißenburgerstraße 22 erhält die neue Hausnummer 52.
1953 Die Gewerberäume Hochparterre rechts (nach 1945 Parfümerieherstellung F. Kalbow) werden erstmalig als (private) Arztpraxis genutzt (Dr. Senst – bis 1970).
1970er Jahre Die ehemalige Kutscherwohnung im 1. OG der Remise wird noch von einer alten Frau bewohnt.(3)
Der Komponist und Dirigent Friedrich Goldmann wohnt von 1973–1979 mit seiner Familie in einer Wohnung im ersten Obergeschoß.
1972 Das Haus wird saniert, dabei wird der alte Fassadenputz mitsamt den großen Stuckkaryathiden abgeschlagen, ein neuer Putz (Straßenfassade: Kratzputz) wird aufgetragen. Im Grundbuch wird hierfür ein Aufbaudarlehen von 77.500 Mark eingetragen. (4)
ab 1971 Die Arztpraxis wird zu einer staatlichen Praxis umfunktioniert, als Ärzte arbeiten dort zunächst Frau Dr. Wilke, dann Dr. Hacke und schließlich das Ehepaar Dr. Beck.
1988 Die Hausgemeinschaft trägt das baufällige Obergeschoß der seit einiger Zeit leerstehenden Remise ab und baut das Erdgeschoß zu zwei Garagen um. Als Anerkennung darf sich die Hausgemeinschaft bei der kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) ein Geschenk wünschen. Man wählt eine elektrische Mangelmaschine, die heute noch im Keller des Hauses aufbewahrt wird. (3)
1989 In das Grundbuch werden noch zwei letzte "Aufbaubauhypotheken" von M 37.800,- und M 42.700,- eingetragen. Ein Jahr später (1990) ist im Hause nicht ersichtlich, wofür diese Gelder im Hause ausgegeben worden waren.
Eine Wohnung im 4.OG steht nach dem Umzug der letzten Mieterin nach Marzahn (5) für längere Zeit leer.
1990 Die leerstehenden Wohnung wird zu Beginn des Jahres von zwei jungen Leuten (heute: ein Mitglied einer bekannten deutschen Rockband) besetzt.
04.10.1990 Die besetzte Wohnung wird (noch mit einem alten DDR-Mietvertrag) von der "VEB KWV Schwedter Straße" legalisiert.
Herbst 1990 Die Arztpraxis (Außenstelle der Poliklinik) wird vom Ehepaar Dr. Beck wieder als private Praxis übernommen.
1954 - 1990 Da die kommunale Wohnungsverwaltung zwar für Reparaturen oder für andere, nicht erkennbare Zwecke über die Jahre immer wieder Kredite auf das Haus aufgenommen und im Grundbuch hat eintragen lassen, wies zur Währungsunion (1.Juli 1990) das Kreditsaldo auf zwei Konten der KWV bei der Sparkasse Berlin (Ost) schließlich einen Betrag von M 403.750,71 auf. Gleichzeitig hatte die KWV, wie es das System der DDR-Wohnungswirtschaft vorsah, über die Jahrzehnte keine oder nur geringste Zinszahlungen beglichen. Am Ende ergab sich ein zusätzlicher Betrag von geschuldeten Zinsen von M 246.349,19. (6) An diesem Beispiel ist ersichtlich, warum die DDR-Wohnungswirtschaft 1989 völlig überschuldet und damit praktisch bankrott war.
   
 

Quellenangaben:

(1) Klaus Grosinski, Prenzlauer Berg - Eine Chronik, Berlin 2. Auflage 2008
(2) Grundbuch ehem. Schönhausertorbezirk (genauere Angaben zu den Eintragungen folgen später)
(3) Aussage ehemaliger Bewohner Günther Wilke (bis ca. 1995) gegenüber den Autoren
(4) Betrag laut Grundbucheintrag. Die Aussage, daß damals die Fassaden komplett erneuert wurden, stammt von einem ehemaligen Bewohner, der dies Ende der 1990er Jahre in einem kurzen Gespräch mit Nicolaus Schmidt auf der Straße so erzählt hatte.
(5) Aussage der ehemaligen Mieterin in einem Gespräch mit den Autoren (1990er Jahre)
(6) Kontoauszüge 1990 in Kopie als Anlage eines Schreibens der WIP als Rechtsnachfolgerin der KWV an den vermutlichen Eigentümer (19.8.1991).

   
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